Ökologisches Gleichgewicht im Gartenteich +++ Temperatur, Nährstoffe und Sauerstoff entscheiden über Qualität


06.03.2010 Gisela Dürselen
Seerosen beschatten den Teich. - Gisela Dürselen

"Wie erreiche ich das ökologische Gleichgewicht im Gartenteich?", so der Titel eines Vortrags bei der "Garten München". Tipps gab Teich- und Gartenexperte Wendelin Jehle.

Wendelin Jehle von der Firma "Schleitzer baut Gärten" war dem Publikum schon von seinen Fachvorträgen aus den vergangenen Jahren bekannt. Bayerns größte Indoor-Messe für Gartenkultur präsentiert jedes Jahr im Frühjahr die Trends fürs kommende Gartenjahr.
Wie kommt Sauerstoff in den Teich?

"Sauerstoff ist lebenswichtig für den Teich", sagte Wendelin Jehle bei seinem Vortrag. Die Anreicherung mit Sauerstoff geschehe vor allem über die Luft und mit Hilfe filtrierender Wasserpflanzen. Dabei hänge der Sauerstoffgehalt in direktem Zusammenhang mit der Wassertemperatur: Je höher die Temperatur, desto weniger Sauerstoff kann demzufolge das Wasser anreichern und speichern. "Je tiefer ein Teich, desto weniger Probleme mit dem Sauerstoff gibt es deshalb." Auch Algen produzieren Jehle zufolge Sauerstoff: allerdings nur tagsüber - in der Nacht entziehen sie dem Wasser Sauerstoff.

Der Nährstoffkreislauf im Teich

Wichtig für eine gute Wasserqualität sei außerdem der richtige Nährstoffgehalt. Blätter, aber auch Schmutz und Blütenstaub, die der Regen ins Wasser einträgt, werden von Bakterien zersetzt und in Nährstoffe umgewandelt. Davon profitieren laut Jehle die Algen. Am besten zu beobachten sei dieser Zusammenhang im Frühjahr - ungefähr im April, wenn das Wasser schon wieder warm wird: Zu dieser Zeit sei der Teich noch voll mit überschüssigen Nährstoffen aus abgestorbenen Blättern und anderen organischen Materialien. Auf der anderen Seite seien die Wasserpflanzen noch nicht genügend ausgetrieben, um ihre Aufgabe des Filterns leisten zu können. Das Ergebnis: Der Teich wird grün.

Jehle warnte allerdings davor, bei solcher Gelegenheit das Teichwasser auszuwechseln. Denn dadurch würden auch all jene Bakterien entsorgt, die im Teich unentbehrlich seien. Am besten sei es, den Teichgrund jedes Jahr von Schlick und Abfall zu reinigen, das Wasser jedoch zu belassen. Jehle warnte auch vor Fischen im ökologischen Gartenteich: "Ein Fisch uriniert jeden Tag ungefähr das Siebenfache seines Körpergewichts." Dies sei Amoniak, der durch Umwandlung in Nährstoffe wiederum für Überdüngung sorge. Außerdem fräßen viele Fische gerade jene Kleinstlebewesen, die wichtig seien fürs ökologische Gleichgewicht.


Algen im Gartenteich

Außer Pflanzen ist laut Jehle der Wasserfloh der Hauptfiltrierer im Gartenteich. Er ernährt sich am liebsten von Schwebalgen, die zwar nicht zu sehen sind, das Wasser jedoch grün machen und ihm die Sehtiefe nehmen. Außerdem frisst er Fadenalgen. Diese sind laut Jehle aber nicht schlimm - im Gegenteil: Fadenalgen kämen in der Regel nur dort vor, wo das Wasser noch intakt sei.

Von vielen der üblichen Algenmittel hält der Fachmann nicht viel: Die meisten arbeiteten mit Chemie und beinhalteten Zellen abtötende Substanzen: "schädlich für die Ökologie im Gartenteich". Besser sei es, auf mögliche Ursachen zu schauen, wenn in einem Teich zu viele Algen wachsen. Bereits bei der Anlage solle beispielsweise darauf geachtet werden, dass das Pflanzsubstrat für die Wasserpflanzen nährstoffarm ist. Mögliche Quellen für überschüssige Nährstoffe seien auch Zuflüsse: In ländlichen Regionen könnten mit dem Regen Düngemittel von den Feldern in den Teich gespült werden. Der Teichgrund solle bei der Anlage möglichst gerade gebaut werden, damit er später leicht zu säubern ist.
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