Gefrässiger Geselle: Vor dem Dickmaulrüssler ist kaum ein Baum oder Strauch sicher.

Fotos: Dickmaulrüssler und Larve

Texte Dr. Helmut Haardt

Bekämpfung

Vermutlich aus Nordamerika eingeschleppt, hat sich der gefürchtete Dickmaulrüssler in unseren Breiten zu einem der schwerwiegendsten Baumschul- und Zierpflanzenschädlinge entwickelt. Hilfe naht im Frühjahr in Form von nützlichen Nematoden (Fadenwürmern), die gezielt auf die gefräßigen Gesellen losgelassen werden und sie auf natürliche Weise abtöten.

Dickmaulrüssler mögen alles, was auch dem Gärtner lieb ist. In Gärtnereien, Baumschulen, öffentlichen Grünanlagen und Privatgärten richten sie enorme Schäden an. Ganz oben auf der Speisekarte des zur Familie der Rüsselkäfer zählenden Schädlings stehen Rosen und Moorbeetpflanzen wie Rhododendron und Azalee. Aber auch diversen Stauden wie Hortensien und Gehözen wie dem Kirschlorbeer ist der Dickmaulrüssler alles andere als abgeneigt. Meist verrät sein typischer Blattfraß die Anwesenheit des Käfers. Viel schlimmer ist aber der Schaden, den seine im Boden lebenden Larven verursachen.

Der Entwicklungszyklus des Dickmalrüsslers beginnt mit dem Schlupf der Jungkäfer ab Anfang Juni aus dem Boden. Hungrig beginnt der Nachwuchs sofort mit einem opulenten Reifungsfraß, der zu den charakteristischen Blattschäden (Buchtenfraß) führt. Ab Juli legen die weiblichen Käfer bis zu 800 Eier in Pflanzennähe auf dem Boden ab. Anfang August schlüpfen dann die Larven und verursachen den typischen Herbstschaden, indem sie an den Wurzeln, Knollen und Rhizomen ihrer Wirtpflanzen fressen und ihnen Wasser und Nährstoffe rauben. Zur Überwinterung ziehen sich die Larven in tiefere Bodenschichten zurück. Mit steigenden Temperaturen aber wird im zeitigen Frühjahr sogleich weiter gefressen. Nach dem letzten Larvenstadium erfolgt die Verpuppung in einer Erdhöhle, und ab Anfang Juni beginnen schließlich die neuen Jungkäfer zu schlüpfen. In Gewächshäusern verschiebt sich der Entwicklungszyklus klimabedingt, so dass alle Entwicklungsstadien zu jeder Jahreszeit vorhanden sein können. Nemathoden sind wirkungsvollstes biologisches Mittel für die Bekämpfung des Dickmaulrüsslers

Bei der Bekämpfung des Dickmaulrüsslers und vieler weiterer Schädlinge macht sich der biologische Pflanzenschutz die Tatsache zu nutze, dass selbst der destruktivste Nassauer natürliche Gegenspieler hat. Nach dem Prinzip "der Stärkere gewinnt" werden diese folgerichtig als "Nützlinge" bezeichneten Kleinstlebewesen von Experten gezielt gezüchtet und auf Freiflächen sowie in Gewächshäusern erfolgreich gegen Kulturpflanzen zerstörende Organismen eingesetzt. "Die effektivsten Gegner des gefürchteten Dickmaulrüsslers sind Fadenwürmer, in der Fachsprache als Nematoden bezeichnet. Ihr Wirkungsgrad übersteigt den einer chemischen Schädlingsbekämpfung um ein Vielfaches", sagt Dr. Helmut Haardt, der jährlich Millionen mikroskopisch kleiner Nützlinge züchtet.

Bei richtiger Anwendung und günstigen Bedingungen werden 100 Prozent der vorhandenen Dickmaulrüssler-Larven durch parasitäre Nematoden abgetötet. Hierfür suchen die Fadenwürmer die Larven aktiv auf und dringen in sie ein. Anschließend geben sie ein für Warmblüter und Menschen völlig unschädliches Bakterium frei, das die Schädlinge innerhalb weniger Tage zum Absterben bringt. In den getöteten Larven vermehren sich schließlich die Nematoden. Nach etwa 14 Tagen verlassen bis zu 300.000 neue Nützlinge den Kadaver und machen sich auf die Suche nach weiteren Larven des Rüsselkäfers.

Die Handhabung der Nützlinge ist für den Anwender denkbar einfach: Die Fadenwürmer werden in einem speziellen Pulver geliefert, das mitsamt der kaum sichtbaren Nützlinge im Gießwasser aufgelöst und anschließend mit einer Gießkanne oder einer Feldspritze ausgebracht wird. Pro 100 Quadratmeter Fläche gelangen auf diese Weise 50 Millionen nützliche Nematoden in den Boden. Die Anwendung im Freiland empfiehlt sich von Mitte März bis Ende Mai sowie zwischen Mitte August und Ende Oktober.

"Die Bodentemperatur sollte nicht unter 8 Grad und nicht über 30 Grad Celsius betragen. Außerdem sollte der Boden nach der Behandlung feucht gehalten werden, damit sich die Nematoden im Boden verteilen können", erklärt Dr. Helmut Haardt.

Die ersten Larven des Dickmaulrüsslers sterben ca. drei Wochen nach dem Ausbringen der Fadenwürmer. Durch Reduktion der Schädlinge am Standort werden im Folgejahr weniger Weibchen ihre Eier ablegen. Da die Fadenwürmer auch im Boden überwintern können, haben sie vielfach eine Langzeitwirkung. Mit jedem Vermehrungszyklus der Nematoden steigt die Wirkung auf die Schädlingspopulation. Opens window for sending emailNemathoden gibt es im Erlebnisgarten >>.